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Schoonebeek: Wiederaufnahme der Erdölgewinnung

14-04-2009

Die Aktivitäten der niederländischen Erdölgesellschaft (Nederlandse Aardolie Maatschappij B.V., NAM) bestehen zu 90 Prozent aus der Erdgasgewinnung und zu 10 Prozent aus der Erdölgewinnung. Derzeit betreibt die NAM kleinere Ölfelder in der Nähe von Rotterdam, in der Nordsee und demnächst in der wieder in Betrieb genommenen Erdölgewinnungsanlage in Schoonebeek (Provinz Drente). Die NAM setzt damit ihre Pläne zur Wiederaufnahme der Erdölgewinnung in Schoonebeek in die Tat um. Dafür werden auch Beziehungen zu den lokalen Zulieferbetrieben wiederbelebt, mit denen bereits vor Jahrzehnten zusammengearbeitet wurde, beispielsweise Zappey, das mittlerweile zur lokalen Niederlassung von Vos Mechanical in Schoonebeek geworden ist.

Im Jahre 1947 begann die NAM mit der Betreibung des Ölfeldes in Schoonebeek bei Emmen. Arie Kroeze, innerhalb der NAM mit dem Supply Chain Management betraut: „Wir haben in Schoonebeek bis 1996 produziert. Dann stoppten wir die Produktion, weil sie nicht länger rentabel war. Zusammen mit dem Rohöl kam auch sehr viel Wasser mit nach oben. Das Verhältnis Rohöl/Wasser verschlechterte sich ständig und der Ölpreis fiel immer weiter ab. Das in Schoonebeek geförderte Rohöl ist zäh und dickflüssig. Die Nam hat damals beschlossen, mit den zurVerfügung stehenden Techniken nicht weiter zu produzieren. Dennoch bestand die Erwartung, dass das Ölfeld wieder in Betrieb genommen werden könnte, sobald neue Techniken die Rentabilität verbessern würden. Man hat also eigentlich das Ölfeld in die Warteschlaufe gesetzt. Eine Studie hat mittlerweile belegt, dass es machbar zu sein scheint, die Erdölgewinnung mit heutiger Technik rentabel durchzuführen.“

Zusammenarbeit

Die Niederlassung von Vos Mechanical in Schoonebeek ist aktiv in der Fertigung von Apparaten und Rohrleitungssystemen für unter anderem die Industriezweige Erdöl, Erdgas und Petrochemie. Auch halb nukleare Anlagen für den internationalen Markt und Energy Services sind Teil des Pakets.

Bei Vos Mechanical in Schoonebeek sind Gert Jolink und Willem Cannegieter Manager für die Geschäftseinheit luftgekühlte Wärmetauscher, die sogenannten Airfin Coolers. „Diese Airfin Coolers stellen wir bereits seit 1970 her. Andere Geschäftseinheiten sind: Projekte, Service und Wartung, Fertigung, Energie (aktiv mit Kesselbau) und Skid-Bau. Der letzte Punkt betrifft die Fertigung von Apparaten, die auf einem Skid vormontiert werden, so dass sie ready for operation sind und direkt im Feld eingesetzt werden können.“ Die Zusammenarbeit von Vos Mechanical mit der NAM geht bereits auf das Jahr 1953 zurück, damals war sie Zulieferer für Neubau und Wartung von Industrieapparaten. Gert Jolink: „Wir blicken auf eine lange, gemeinsame Geschichte zurück und tatsächlich war die NAM jahrzehntelang unser größter Auftraggeber. Seit der Stillegung des Ölfeldes in Schoonebeek 1996 ging verständlicherweise das Auftragsvolumen der NAM für Vos Mechanical zurück.“

Das Ei des Kolumbus: horizontale Produktionstechnik

Die derzeitige Wiederaufnahme der Ölförderung in Schoonebeek ist ein sehr umfangreiches Projekt. Arie Kroeze: „Wir untergliedern das Projekt in eine Reihe von Teilbereichen: Zum Einen ist da das Wärmekraftwerk (WKC), das Dampf produziert. Dafür benötigen wir Wasser allerreinster Qualität, welches von einer noch neu zu bauenden Fabrik in der Nähe der Kläranlage Emmen geliefert werden wird. Der so hergestellte Dampf wird über ein Rohrleitungssystem unterirdisch in das Ölfeld gepumpt. Damit erwärmen wir das in einer Tiefe von rund 800 Metern lagernde Rohöl. Durch die Dampfinjektion verflüssigt sich das Rohöl. Das hier lagernde Rohöl ist zu dickflüssig, als dass wir es in reiner Form fördern könnten. Die Besonderheit ist nun, dass wir den Dampf nicht wie früher rund um ein vertikales Bohrloch vertikal injizieren, sondern hunderte von Metern tief im Erdboden in horizontaler Richtung. Diese neue, horizontale Produktionstechnik ist weitaus effizienter und wird demnächst lediglich 73 Bohrlöcher erfordern. Das wirkt sich positiv auf die Landschaft der Umgebung aus. Das neue Verfahren bringt es mit sich, dass eine Mischung aus Wasser und Rohöl nach oben befördert wird. Das Wasser-Rohöl-Gemisch wird zu einer Rohölbehandlungsanlage (OBI) weiterbefördert, wo die beiden Komponenten getrennt werden.“

Kühler

Das Rohöl gelangt über eine Fernleitung zu einer BP-Raffinerie im deutschen Lingen. Dort wird es weiter bearbeitet. Das Wasser, das bei der Förderung anfällt, wird in der Provinz Twente in drei Kilometern Tiefe in leere Erdgasfelder eingespritzt. Die Wärme dieses Produktionswassers wird in erster Linie innerhalb des WKC-Prozesses genutzt. Doch das ist nicht in vollem Umfang möglich. Deshalb ist zusätzliche Kühlung erforderlich, die mit Hilfe der Airfin Coolers bereitgestellt wird, um die Temperatur für die Verpumpung nach Twente weit genug abzusenken. Im Hinblick auf die Zusammensetzung des Mediums, das durch die Kühler strömt, müssen diese besonders korrosionsbeständig sein. Auch die schiere Menge an Wasser erfordert Kühler von beträchtlichem Umfang.“

Airfin Coolers

Gert Jolink: „Für dieses spezielle Verfahren liefern wir Airfin Coolers. Diese sind maßgeschneidert, besonders hinsichtlich des Kühlvermögens und der Materialwahl. Das System an sich existiert bereits. Die Abmessungen gleichen wir den Anforderungen der NAM an.“ Dabei handelt es sich um einen thermischen Entwurf von luftgekühlten Wärmeübertragern (Air-Cooled Heat Exchangers) unter Zuhilfenahme von H.T.R.I.-Technologie (Heat Transfer Research, Inc.). Der mechanische Entwurf wurde in Übereinstimmung mit sämtlichen relevanten internationalen Normen ausgeführt. Vos Mechanical ist für den Entwurf, die Fertigung, die Testläufe und die Inbetriebnahme dieser beiden luftgekühlten Wärmetauscher verantwortlich. „Wir haben bereits früher Airfin Coolers an Raffinerien sowie Erdöl- und Erdgasproduzenten geliefert“, so Gert Jolink.  Hier ein Überblick: pro Stunde strömen 416000 kg Wasser durch den Kühler. Das Wasser selbst wird von 70 auf 50 °C heruntergekühlt. Gert Jolink: „Es werden zwei Airfin Cooler installiert. Der größere Kühler dient zur Abkühlung des Produktionswasser, das in die alten Erdgasfelder eingespritzt wird. Dieser ist 12 Meter lang und 9 Meter breit, ein enorm großer Apparat. Die Zusammensetzung des Mediums erfordert ein äußerst beständiges Duplex-Material und auch die Schweißtechnik, die hier eingesetzt wird, muss sehr strenge Auflagen erfüllen. So werden die 800 Wärmetauscherrohre in den Kühlern mittels automatischer Orbitalschweißgeräte geschweißt. Die Kühlluft wir mit großen, geräuscharmen Ventilatoren um die Kühlrohre geblasen. In Bezug auf die Minimierung der Geräuscherzeugung ist die Herausforderung besonders hoch, denn die Produktionsstätte liegt inmitten von bebautem Gelände.

Ausgewählt auf der Basis formalisierter Outsourcingverfahren

Im Jahre 2007 wurde beschlossen, die Erdölförderung für das Ölfeld Schoonebeek wiederaufzunehmen. Im darauf folgenden Jahr 2008 wurd ein umfangreicher Vertrag mit vier externen Unternehmen unterzeichnet, durch die sämtliche Schritte zur Wiederaufnahme und Inbetriebnahme durchgeführt werden sollen. Arie Kroeze: „Für die beschriebenen benötigten Kühler haben wir bei verschiedenen Unternehmen Offerten eingeholt. Letztendlich hat sich Vos Mechanical durch die Faktoren Technik, Preis und lokale Präsenz für diesen Teilauftrag qualifiziert. Die NAM wird in Schoonebeek viele Arbeiten auch selbst durchführen. Wo Zulieferbetriebe in ihren Ausschreibungskriterien gleichwertige Qualität anbieten, geben wir lokalen Unternehmen den Vorzug, in diesem Fall Vos Mechanical. Jedoch kann und darf die lokale Präsenz in einem Ausschreibungsverfahren für die NAM nicht den Ausschlag geben. Vos Mechanical hat aber mit seinem eingereichten Plan gezeigt, dass es in Bezug auf die Airfin Coolers für uns der beste Partner ist. Im Sommer 2009 werden die Airfin Coolers entsprechend dem durch Vos Mechanical im Detail ausgearbeiteten Fahrplan installiert. Wir rechnen damit, dass wir für dieses Ölfeld ab dem 1. Juli 2010 mit der Erdölförderung beginnen können. Dabei liegt die Förderprognose mit Blick auf die Zukunft bei 25 Jahren, wobei es die Option gibt, das Ölfeld in Schoonebeek künftig noch zu erweitern.“